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10 Leitprinzipien für schwierige Entscheidungen

Ich suche einen Weg und kann ihn noch nicht sehen. Es fühlt sich an, als würde ich an einer Kreuzung stehen und alle vier Himmelsrichtungen sind mit Nebel bedeckt. Ich bin bereit zu gehen, aber wohin? Vor drei Jahren schloss ich mein Theologiestudium ab und wollte für Gott losziehen. Es war ein Entscheidungsaugenblick. Diese Entscheidung würde die Richtung meines zukünftigen Lebens bestimmen. Es war ein mulmiges Gefühl und eine spannende Lebensphase.

Es ist nachvollziehbar, dass viele Menschen eine Aversion gegen Entscheidungen haben. Sie sind endgültig und man muss sich festlegen, obwohl es oftmals viele nicht einschätzbare Faktoren gibt. Der Wunsch nach Sicherheit kann zu einem hartnäckigen Feind werden, der sich dazu verschworen hat, jeglichen Entschluss zu verhindern. Dies kann Angst machen. Die Sorge einer falschen Entscheidung führt dazu, dass man sie vor sich herschiebt. Natürlich ist das keine langfristige Option, da es dem Verhalten des Straußes gleicht, der seinen Kopf in den Sand steckt und sein Problem ignoriert. Zum Leben gehören schwere Entscheidungen dazu und dafür musst du gewappnet sein.

ENTSCHLOSSENHEIT ist eine wichtige männliche Tugend. Folgende Definition möchte ich gebrauchen:

Es ist die Eigenschaft die innere Stärke aufzubringen, sich zu entscheiden und dieser Entscheidung, nachdem sie weise gefällt wurde, mit eiserner Entschlossenheit und Durchsetzungskraft zu folgen.

Es geht um viel mehr als nur einer Entscheidung. Diese zu fällen ist oftmals einfacher, als die Entscheidung vollständig umzusetzen.

„Nur der Mann, der in seinem Streben jene große Eigenschaft trägt, die Lucan Cäsar zuschreibt: Nescia virtus stare loco [seine Tatkraft konnte niemals ruhen] – der zuerst weise berät, dann fest entschließt und dann sein Ziel mit unbeugsamer Beharrlichkeit ausführt, unbeirrt von jenen kleinen Schwierigkeiten, die einen schwächeren Geist entmutigen – der kann in jeglicher Weise zu Ehre gelangen.“ – Auszug aus, Perseverance: A Double Vitality (1859)

Es war eines der Gemeindeprobleme, die der Schreiber des Hebräerbriefes angeht. Aufgrund von Schwierigkeiten und Verfolgung fielen einige Leute zurück und kamen nicht mehr zu den Versammlungen der Gläubigen. Die Gemeinde war müde und drohte das Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Entscheidung Jesus nachzufolgen stand auf dem Spiel. Durch den Hebräerbrief sollten die Gläubigen ermutigt werden, auf Jesus zu schauen und bis zum Ende durchzuhalten (Hebräer 12,1-2). Wer es bis zum Ziel durchziehen will, muss die Gewissheit haben, dass die Entscheidung zu Beginn auf sicherem Fundament steht.

„Wir aber sind nicht solche, die zurückweichen und verdammt werden, sondern solche, die glauben und die Seele erretten.“ (Hebräer 10,39)

In diesem Artikel will ich dir wichtige Leitprinzipien für den Prozess der Entscheidungsfindung mitgeben, um deine Befähigung für weise Entscheidungen zu verbessern. Obwohl der Fokus auf den großen Lebensfragen liegt, können die vorgestellten Prinzipien von dir auf verschiedene Situationen angewendet werden. Danach liegt es ganz an dir deinen Entscheidungen auch männlich zu folgen und treu zu sein!

1) Gebet

Ziehe dich zurück und gehe in die Stille! Verbringe Zeit im Gebet und suche die Gemeinschaft mit Gott. Erbitte Leitung, Führung und Weisheit von ihm. Das kann auch Zeiten einer Kombination des Fastens und intensiven Gebets beinhalten.

In der Bibel bitten Menschen Gott immer wieder um Rat und Leitung. Gott kennt alle Faktoren, besitzt alle Weisheit und Erkenntnis und hat mit uns das Beste im Sinn. Daher ist es das Wichtigste, mit ihm zu beginnen und mit ihm durch den Entscheidungsprozess zu gehen.

“Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn.” (Psalm 143:10)

„HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn […].“ (Psalm 27:11)

2) Gottes Wort

Suche nach Hinweisen oder einer Antwort in deiner Bibel! Wir haben die Verheißung, dass Gottes Wort uns den Weg erleuchten wird und wie ein Leuchtturm in der Nacht scheint. Wir dürfen sogar erwarten, dass Gott durch sein Wort zu uns sprechen wird, um uns zeigen, wohin er uns führen möchte.

“Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ (Psalm 119:105)

Gott spricht durch sein Wort, denn sein Wort ist lebendig und kräftig. Sein Wort führt aus, wozu er es gesandt hat. Die Schrift genügt vollkommen, deshalb gehörte „Sola Scriptura“ zum Fundament der Reformation. Suche nach einer Antwort in Gottes Wort!

3) Im Willen Gottes wandeln

Du darfst dieses Thema in Ruhe angehen, wenn du im Willen Gottes stehst und seinen Geboten gehorsam bist. Wenn dein Herz und deine Gedanken sich an das Wohlgefallen Gottes anreihen, darfst du getrost und dessen bewusst sein, dass Gott dich führen wird. Wenn Gott dich darauf aufmerksam macht, dass es noch Bereiche in deinem Leben zu klären gibt, dann folge diesem Hinweis. Wenn dein Leben im Reinen mit Gott ist, dann wirst du auch einen klareren Blick auf deine Entscheidung haben.

Je mehr wir Christus ähnlicher werden, desto mehr wird sein Wille zu unserem Willen. Sein Wunsch wird zu unserem Wunsch. Lebe im Gehorsam zum Herrn und was du tun wirst, wird seinem Willen entsprechen!

„Wer ist der Mann, der den HERRN fürchtet? Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll.“ (Psalm 25:12)

„Leite mich auf dem Pfad deiner Gebote! Denn ich habe Gefallen daran.“ (Psalm 119:35)

4) Finde deine Berufung

Formuliere deine eigene Vision, deine Berufung/Mission! Um die großen Lebensfragen zu beantworten, musst du wissen, wer du bist und was du willst. Warum wurdest du geschaffen und was ist der Zweck deines Daseins? Ja wir leben, um Gott zu kennen und Ihn zu verherrlichen, aber wie wird dein Leben dies speziell verwirklichen? Die Vision ist das WARUM, die Berufung ist das WIE und die konkreten Tätigkeiten innerhalb der Berufung das WAS.

Hilfreiche Definitionen

Bei Vision geht es um das große Ganze! Die faszinierende, gemeinsam erstrebte und realisierbare Zukunft, der Zielzustand der „Welt“ in der fernen Zukunft. Berufung/Mission ist dann der Weg dahin, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Mission definiert unseren Zweck oder unseren Beitrag dieses angestrebte Ziel zu erreichen. Daraus entspringt dann die Strategie für die Umsetzung.

Der Grund dahinter ist, dass du damit Arbeitsmöglichkeiten, Angebote, bestimmte Richtungen, Beziehungen etc. ausschließen kannst, die nicht diesem Profil entsprechen. Diese Vorgehensweise ermöglicht ein zielgerichtetes Leben, dass sich nicht in unnötigem verheddert oder in Ablenkungen verrennt.

Fragen, die dir dabei helfen können:

  • Wann fühle ich mich wirklich lebendig?
  • Was ist meine Leidenschaft: was macht mich fröhlich/traurig/zornig/begeistert usw.?
  • Wofür hat mir Gott eine „Last“ aufs Herz gelegt?
  • Welche biblischen Aussagen treffen mich besonders und liegen mir auf dem Herzen?
  • Welche Charakterzüge und Eigenschaften sollen Menschen von dir in Erinnerung halten?
  • In welchen Rollen und Aufgaben hat mich Gott bereits zum Segen gebraucht?
  • Was sind meine Begabungen und was sagen Leute, die mich kennen darüber? Liste deine Gaben und Stärken auf.
  • Was würde mir fehlen, wenn ich es nicht tun könnte?

5) Gute Ratgeber

Schaue dich nach geisterfüllten Menschen um, die mit Gott wandeln und geistlich reif sind und frage nach ihrem Rat! Wir haben oftmals nur eine beschränkte Perspektive und brauchen die Betrachtung vertrauenswürdiger Menschen, die uns einen anderen Blickwinkel geben können, kritisch hinterfragen und auf blinde Flecken hinweisen. Dadurch unterziehen wir uns einem automatischen Test, ob unsere Entscheidung auf einer guten Grundlage steht.

Es gibt Ausnahmen! Manchmal müssen wir Menschen ungehorsam und Gott gehorsam sein. Eine Episode im Leben des Missionars Charles Studd ist dafür ein gutes Beispiel: Die Missionsleitung und das Ärzteteam verboten ihm nach Afrika zu gehen und wollten ihm die Mittel entziehen, da ihn seine Gesundheit tropenuntauglich machte. Alle rieten ihm ab, da er diese Reise nicht überstehen würde. Trotzdem folgte er dem Ruf Gottes und es wurde zum großen Segen. 15 Jahre lange diente und wirkte er als Pionier in Afrika.

Generell gilt, dass es weise und sehr wichtig ist, auf den Rat anderer erfahrenen Menschen zu hören, die eine göttliche Gesinnung haben! Bedenke dabei, dass weise Berater Einsichten schenken aber NIE einem die eigene Entscheidung abnehmen, für die man verantwortlich ist.

„Wo nicht weiser Rat ist, da geht das Volk unter; wo aber viele Ratgeber sind, findet sich Hilfe.” (Sprüche 11:14)

„Die Pläne werden zunichte, wo man nicht miteinander berät; wo aber viele Ratgeber sind, gelingen sie.“ (Sprüche 15:22)

6) Offene Türen

Wenn Gott einen Menschen zu einem Dienst ruft oder in eine bestimmte Richtung lenken will, dann wird er auch den Weg ebnen und die richtigen Türen zum richtigen Zeitpunkt öffnen.

Ein wichtiges Merkmal ist die MÖGLICHKEIT! Schaue dich um, wo Gott Türen verschließt und wo Gott Türen öffnet. Im Leben des Apostels Paulus finden wir hierfür ein hervorragendes Beispiel:

„Sie zogen aber durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort zu predigen in der Provinz Asia. […] Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Makedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Makedonien und hilf uns! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Makedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.“ (Apostelgeschichte 16:6.9-10)

Achtung: Das bedeutet NICHT, dass es keine Schwierigkeiten und Opposition geben kann. Erinnert euch daran, dass das Flugzeug gegen die Windströmung abhebt!

7) Frieden

Wenn Gott einen Menschen zu einer Aufgabe ruft, so gibt er ihm auch den notwendigen inneren Frieden und die Gewissheit dazu. Auch wenn die Umstände chaotisch und turbulent sein können, so wird Gott seinem Diener einen Frieden und Vertrauen zur Entscheidung geben!

Als ich aber nach Troas kam, zu predigen das Evangelium Christi, und mir eine Tür aufgetan war in dem Herrn, da hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand; sondern ich nahm Abschied von ihnen und fuhr nach Makedonien.“ (2. Korinther 2:12-13)

Obwohl Paulus sogar eine gute Möglichkeit gegeben war, fand er doch keine Ruhe in seinem Geist und war innerlich getrieben nach Mazedonien zu gehen. Da er keinen inneren Frieden hatte, änderte er seinen Plan.

Hier ist es wichtig ein Feingefühl für das Wirken des Geistes zu haben und darauf zu hören und zu achten!

8) Klare Zeichen

Bitte Gott darum, dir deutliche Zeichen zu geben und einen bestimmten Weg zu bestätigen. Wir sehen in Gideons Leben, wie er sogar zweimal Gott um diesen außerordentlichen Gefallen bat, um seine Zweifel auszuräumen. Er bat um ein klares und unmissverständliches Zeichen.

Gott weiß, dass wir schwach sind und dass wir als Menschen manchmal einen klaren Hinweis von ihm benötigen, um den nötigen Auftrieb zu bekommen. Es ist nicht immer der Fall, dass der Herr dies auch tun wird. Manchmal möchte er auch, dass wir ihm einfach vertrauen und gehorsam sind. Dennoch gibt der Herr oft ein Erlebnis oder Zeichen, an dem wir unsere Entscheidungen festmachen können. Sollte dies der Fall sein, dann schreib dir diese Erfahrungen auf, um dich auch später noch daran erinnern zu können.

9) Besonnenheit

Treffe deine Entscheidungen nicht aus den Emotionen und dem Affekt heraus! Wie ein bekanntes Sprichwort sagt:

„Versprich nichts, wenn du glücklich bist. Antworte nicht, wenn du sauer bist und triff keine Entscheidungen, wenn du traurig bist.“

Unser Herz, unsere Gedanken und unsere Emotionen müssen in uns zur Ruhe kommen, wenn wir eine gute Entscheidung treffen wollen. Dabei ist es wichtig, dass wir erkennen, weshalb wir uns in einer bestimmten Weise entscheiden wollen. Reflektiere und hinterfrage deine Motive und Intentionen. Warum willst du/willst du nicht?

10) Im Glauben gehen

Wage Glaubensschritte! Wir leben und wandeln im Glauben und wir müssen Glaubensschritte machen. Es wird selten 100% Gewissheit geben, denn Gott fordert uns heraus ihm zu vertrauen und in Abhängigkeit von ihm Großes zu tun.

„Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ (Markus 9,23)

So wird auch der Moment der Entscheidung kommen, wo man aus dem Boot heraus auf das Wasser steigen muss, um dem Ruf Jesu zu folgen.

Wage ein Risiko, dein Vater ist der König des Universums!

Mit diesem Werkzeug in der Hand kannst du mutig deinen Weg gehen und als Mann des Glaubens die richtigen Entscheidungen zur Ehre Gottes treffen! Es ist wichtig sie in ihrer Gesamtheit zu betrachten, die als kumulative Säulenkonstrukt deine Entscheidung stützen. Dabei sollten sie sich aneinanderreihen und im Gesamtbild konsistent sein.

Abschließend ist es noch wichtig zu bedenken, dass Gott auch aus Schlechtem Gutes wirken kann. Er ist unser liebender Vater und lässt uns nicht hängen. Selbst wenn wir aus guten Absichten einen Weg gehen, der scheinbar doch nicht der Richtige war, dann kann Gott auch aus Mist Dünger machen, der zum Guten dient!

Wenn du einmal deine Entscheidung getroffen hast, dann ziehe es auch bis zum Ende durch und mache nicht auf halbem Weg schlapp. Denn wenn du in diesem Lichte einen Entschluss gefasst hast, darfst du wissen, dass dieser Entschluss auf festem und sicherem Grund steht. Du wirst auch durch große Schwierigkeit ans Ziel kommen.

„Es gibt kaum etwas, das mehr zu schätzen ist, als eine männliche Festigkeit und Entschlossenheit des Charakters.“ – William Hazlitt

Sei gesegnet in deinem Entschluss und deinem Handeln!

 

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